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Die erste Knochenmarkpunktion


29.09.2010 - Yannic´s erste Knochenmarkpunktion, seine 1. Operation




Der Termin stand fest und er rückte immer näher. Ich hatte keine Ahnung wie lange wir drinnen bleiben würden, was ich für uns alles einpacken müsste, wo diese Station genau ist in der wir uns einen Tag vorher anmelden müssen und vor allem wusste ich nicht wie ich ihn beruhigen sollte wenn ich doch selbst so aufgeregt war.



Yannic am Morgen, der Quatschkopf!

 
Aber klein Yannic hat das zum Glück noch gar nicht so mitbekommen und die Schwestern angestrahlt. Das erste was ihm aufgefallen ist war natürlich gleich das BMW Bobbycar.






28.09.2010 - ein Tag zuvor, 15 Uhr, stationäre Aufnahme
Die Station war hell und , kinderfreundlich dekoriert mit gebastelten, bunten Drachen die von der Decke hingen. Die Schwester empfing und freundlich und zeigte uns unser Zimmer. Ganz hinten, das letzte. Naja zum Glück. Bis dahin war mir nämlich auch noch nicht klar, was das genau für eine Station ist, aber ich glaube das möchte man auch nicht so wirklich an sich heran lassen. 

Kinderonkologie, jemand der sich darüber keine GEdanken gemacht hat, oder noch nie damit zu tun hatte macht sichd arüber auch nicht so wirklich Gedanken. Immerhin sind wir ja hier weil der Verdacht auf einen Immundefekt besteht und nicht weil die Ärzte Leukämie oder sowas in der Art vermuten. Außerdem wäre das dann ja wohl schon im Blut aufgefallen.

Ungewohnt in so einem fremden Krankenhauszimmer. Ziemlich eng, kaum Platz für den Kinderwagen, ein Babygitterbett und ein hartes Schlafsofa.
 
Natürlich hat Yannic gleich das offene Regal mit den Spritzen und dem Klebeband unter die Lupe genommen und ausgeräumt. Der Nachmittag ging eigentlich schnell vorüber. Wo man nicht überall hin muss. Zum Narkosearzt im ZK (die Kinderklinik steht ja daneben, also wieder anziehen, Mütze, Jacke, Schuhe...rüberlaufen, ausziehen, sprechen, anziehen, rüberlaufen, ausziehen... – echt nervig!), Fragebögen ausfüllen, Einverständniserklärungen unterschreiben und dann wird man über die Nebenwirkungen und Risiken der OP aufgeklärt und was alles so passieren kann. Stupfen hat er zum Glück ganz gut mitgemacht, was mich echt gewundert hat, immerhin wird er ja gepiekst und sein Fingerchen ausgequetscht.
 
Naja das Einzige wofür sich klein Yannic interessiert hat, während ich mir die Horrorsachen anhören musste, war natürlich die Spielecke, alles durcheinander zu bringen und überall hinzulaufen um sich zu verstecken (z.B. hinter dem Schreibtisch vom Narkosearzt, oder in ein offenes Regal mit Rollen, indem er dann festgesteckt hat und sich kopfüber hinausgestürzt hatte, ach ja und der Papiermülleimer war suuuuper lustig auszulehren um der Inhalt zu inspizieren, usw...). Yannic eben. Aber es fanden alle lustig, ich glaube wir haben noch nie so viele Lollis an einem Tag geschenkt bekommen, bis dahin.

Als er eine Nadel gesetzt bekam, war er natürlich nicht so begeistert. Am Kopf hatte das nicht so gut funktioniert, langsam wird er wohl auch schon zu alt dafür und so stachen die Ärzte am Fuß. Mir kann das immer nie schnell genug gehen, immerhin kennen wir das ja schon mit der Piekserei, aber trotzdem ist es immer wieder stressig, sein Kind festhalten zu müssen, damit ihm ein anderer weh tun kann. Also immerhin sieht er das wahrscheinlich so.
 
Ruckzuck war es auch schon Abend. Natürlich kriegt man ein kleines Kind in einer ungewohnten Umgebung nicht sofort ins Bett und weil’s mir dann irgendwann zu blöd wurde hab ich ihn zu mir genommen und wir sind zusammen eingeschlafen. Naja ich aber leider nicht lange. Ewig lag ich nachts wach und hab an die Aufklärungsbögen gedacht mit den Nebenwirkungen... Naja bei unserem Glück passiert noch was und oje oje dann wird es ernst. Hätte ich damals gewusst dass wir das insgesamt dreimal durchmachen müssen und noch viel mehr, hätte ich wohl auch so friedlich durchgeschlafen wie klein Yannic.
 
 



Der nächste Morgen, 29.09.2010, 7 Uhr, KMP 
Die Schwester kommt rein. Ich hab sie wieder weggewunken, Yannic hat auch noch geschlafen und sie gar nicht bemerkt. Tatsächlich hat sie uns noch etwas schlafen lassen und ist erst eine halbe Stunde später wiedergekommen. „Jetzt müssen wir uns aber beeilen!“ sagte sie und hat Yannic schon mal gewickelt und den OP-Kittel angezogen, den ich damals total niedlich fand. Wie ein richtiger OP-Kittel, hinten offen, nur eben in Kleinformat mit Drachen drauf, ein bisschen noch zu groß.






Wir waren zwar spät dran, die Schwester hat uns aber ruhig darauf vorbereitet. Kurz noch mit ein bisschen Spielzeug spielen (meine Anspannung hat sich ein bisschen auf ihn übertragen) und dann ab ins Bett und „rüberrollen“. Was uns jetzt mittlerweile schon alles bekannt ist war für uns damals noch so neu. Zwischen dem Zentralklinikum und der Kinderklinik ist ein langer unterirdischer Tunnel der die Beiden verbindet. Er ist toll angemalt mit Adam und Eva, Dschungel, Walen, Kühen, Dinos, Autos und und und... bestimmt einen halben Kilometer lang. Und ich habe gedacht ich werde Yannic sicherlich mal von diesem einen kleinem Abenteuer erzählen können wenn er größer ist, was das für ein Drama war als er zum ersten mal operiert worden ist. Und jetzt haben wir schon einen halben Ordner voll und mehr Fotos vom Krankenhaus als von zu Hause. Naja, egal.



 


 



 
 
„Drüben“ sind wir dann in den Aufwachraum gebracht worden. Klein, Platz für zwei Kinderbetten, mit Teddys im Zug auf die Wand gemalt. Das haben sie wirklich schön gemacht und kinderfreundlich. Ein netter Mann, Krankenpfleger oder so hat uns empfangen und die Schwester weggeschickt. Yannic hat von ihm einen Narkosesaft bekommen, der ihn schon mal etwas „narkotisieren“ soll. Ja was heißt soll, das Zeug hat ihn total betrunken gemacht, das muss man sich mal vorstellen, der Strahleyannic, der das alles sowieso schon sehr lustig fand, und ich total verkrampft daneben! Er eierte im Bett herum und lachte die Ärzte aus als sie reingekommen sind, oder an, wer weiß. Ich hätte fast einen Lachkrampf bekommen soviel Blödsinn hat er gemacht und gebabbelt. Er lies sich brav auf den Arm nehmen, lachte weiter über den Arzt, zeigte mit dem Finger auf ihn und lies sich ohne Probleme in den OP-Raum tragen. Und weg war er.


 


 
Der nette Mann sagte mir es würde nur ca. 15 Minuten dauern und ich sollte doch kurz einen Kaffee trinken gehen, er piept mich dann an. Also bin ich raus mit einem superwichtigen Pieper, wie´s die Ärzte immer in den Filmen haben, oder bei Scrubs und wartete unten in der Eingangshalle, ohne zu wissen was jetzt gerade passiert oder was jetzt danach passieren wird, eine Narkose zu bekommen ist ja auch nicht so toll und dann vielleicht auch noch Schmerzen...
 
Ich saß da und beobachtete die Menschen die ihre Familienangehörigen besuchen oder sich mit einem gebrochenen Bein die Rolltreppe hochschleppten. Über was die sich alles beklagten, man bekommt ja den ein oder anderen Wortfetzen mit. Alles Lapalien. Das war ein so komisches Gefühl. Ich wollte mir gar nicht vorstellen wie sie jetzt in dem Augenblick gerade eine dicke Nadel in seinen Hüftknochen rammten. Ich habe die Nadeln gesehen, Folterwerkzeuge würde es besser treffen, sie lagen eingeschweißt am Bettende bei dem Ordner mit den ganzen Papieren usw. 20 cm lang mit rosafarbenen Griff. Richtig zum Bohren eben. In Yannics kleine Hüfte.
 
ES PIEPT!! Und es hörte gar nicht mehr auf! Ich hatte dem netten Mann gar nicht zugehört als er mir erklärte wie man das Ding dann wieder ausschaltet, mit Gedanken ganz woanders. 25 Minuten waren vergangen, keine 15! Ich rannte hoch.



 
 
 
Yannic saß im Bett und weinte. Er klang sehr heißer, wohl vom Beatmungsschlauch. Er war noch etwas wackelig auf den Beinen und versuchte sich am Gitter hochzuziehen, stieß sich dabei den Kopf als er seitlich wegknickte. Er schrie und ich konnte ihn kaum beruhigen. Er war so zappelig, dass er nicht auf meinem Arm bleiben konnte weil ich ihn gar nicht halten konnte. Der nette Mann (vielleicht wars auch ein Narkosearzt mit Clounausbildung) holte den „Willi“ hervor. Eine lebensgroße Handpuppe mit Mund zum Reden, aber mehr als an der Zunge ziehen wollte Yannic auch nicht. Und das obwohl er sich echt ins Zeug gelegt hat ihn wieder aufzumuntern, der Willi, samt nettem Mann. Ich fühlte mich total überfordert, hilflos und wusste nicht was ich machen sollte. Oder wie um ihn zu endlich zu beruhigen. Er war ja selbst so hilflos und überfordert mit der ganzen Situation.
Er schien zwar langsam klarer im Kopf zu werden, aber verstand es irgendwie nicht was nun passiert war und ich war mir sicher er hatte auch Schmerzen. Aber der Arzt sagte dass das Schmerzmittel von der OP noch nachwirken würde. Erst nach einer dreiviertel Stunde war er wieder interessiert an etwas, und zwar, der kleine Frauenschwarm, am zweijährigen Mädchen nebenan, dass an der Hand operiert wurde. Den Handschuh den ich für ihn aufgeblasen hatte und ein Lachgesicht drauf gemalt habe, hat sie unbedingt haben wollen und er, wie das kleine Frauenschwärme eben so machen, hat ihn ihr gegeben und gegrinst, ihr tröstend übers Köpfchen gestreichelt. Der Yannic halt.

Die Operation verlief total gut. Sie sind nicht mit der Nadel abgerutscht und es ist auch sonst nichts davon eingetreten, wovon sie mir so Angst gemacht haben.





beim Mittagsschlaf, sogar das Kuscheltier hat einen Verband bekommen
 

Eine Stunde nachdem er wach wurde, sind wir wieder rübergefahren. Keine weitere Stunde später tobte Yannic wieder in der Spielecke und sprang und kletterte... War wieder fröhlich, wie als ob er heute noch nichts Schlechtes erlebt hätte.
 
Am selben Abend durften wir sogar noch heim. Mit einem Termin für München. Immundefektsstation. Sobald das Ergebnis da ist, in so ca. zwei Wochen geben sie uns bescheid und in zwei MOnaten ist dann der Termin in München. Das einzige was blieb war ein kleiner, roter Punkt am Beckenknochen, an der Stelle an der die Nadel reingebohrt wurde und eben am Fuß ein blauer Fleck von der Narkosenadel. Psychisch ging es Yannic damals noch richtig gut.



 
Yannic fährt mit Tarek beim Dreirad mit
 
   
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